Tatort: 23. Dezember 2013, 10:39 Uhr. Ich befinde mich auf dem Weg von Kufstein nach München. Der Zug ist gerammelt voll. Viele stehen in den Gängen und in den Abteilen. Dennoch ist die Stimmung trotz dieser Situation recht fröhlich, die Vorfreude auf Weihnachten ist bemerkbar. Bis plötzlich gar nichts mehr geht.
Wir befinden uns irgendwo zwischen Grafing und München Ost als der Zug immer langsamer wird und schließlich ganz stehen bleibt. Dann stehen wir da, ohne Durchsage, ohne Information, für mehrere Minuten. Langsam werde ich ein bisschen unruhig, in knapp einer Stunde muss ich in der Arbeit sein. Endlich eine erste Durchsage: „Wegen einer behördlichen Streckensperre verzögert sich die Weiterfahrt um wenige Minuten.“ Aus den wenigen Minuten die verkündet wurden, werden 15 Minuten ohne weitere Information. Immer mehr Gespräche über ähnliche Situationen, vor nicht allzu langer Zeit werden laut und dass sich das ein oder andere Mal die Weiterfahrt schon um bis zu zwei Stunden verzögert hat. „Na toll, dass ich heute pünktlich in die Arbeit komme, kann ich wohl vergessen!“, denke ich mir und rufe vorsichtshalber meine Arbeitsstelle an, um mitzuteilen, dass sich meine Ankunft um unbestimmte Zeit verzögert.
Dann endlich tönt die Stimme eines Schaffners durch die Lautsprecher: „Die behördliche Streckensperre wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. Aus diesem Grund fährt dieser Zug zurück nach Grafing. Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an das Zugpersonal.“ Unmut macht sich breit, es wird vor sich hin geschimpft und hektisch telefoniert. Natürlich lässt sich kein Zugpersonal blicken und nach weiteren 15 Minuten Stillstand, setzen wir uns endlich Richtung Grafing in Bewegung. Kurz vor dem Bahnhof dann die nächste Durchsage: „Dieser Zug fährt weiter in Richtung Salzburg.“ Keine weiteren Informationen, kein Hinweis für all die Passagiere, die nach München müssen. NICHTS! Und so steigen wir alle in Grafing aus, verwirrt und planlos stehen wir da und warten auf weitere Anweisungen, die natürlich nicht kommen. Niemand ist da, der uns weiterhilft.
Nach einer weiteren halben Stunde ohne Auskunft und ziellosem umherirren, bekomme ich zufällig mit, wie sich ein Ehepaar darüber unterhält, den Weg nach München mit der S-Bahn in Angriff zu nehmen, für den gesperrten Streckenabschnitt, ist dort anscheinend ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Also steige ich, mit rund 20 in Grafing Gestrandeten, in die nächste S-Bahn ein und hoffe, dass ich München wenigstens ein Stück näherkomme. Noch schlechter kann es eh nicht mehr werden. Und siehe da, ich habe Glück: Kurz vor Zorneding kommt die Durchsage, dass die Streckensperre aufgehoben ist und wir bis nach München durchfahren. Was für ein Glück.
5 Kommentare:
Oh wie ärgerlich. Aber typisch Deutsche Bahn. Hauptsache du hast es dann aber doch noch zur Arbeit geschafft, wenn auch mit einer gewissen Verspätung.
Liebe Julia, liebes Train-Delay-Team:
Eure Blog-Post sind sehr nachvollziehbar und gerade bei diesem Eintrag wird wieder einmal sichtbar, dass die Deutsche Bahn (auch die ÖBB!) ziemlich schlecht organisiert ist und Zug fahren Nerven kosten kann!
Allgemein würde ich mir Bilder zu den Posts wünschen! Bin schon gespannt was es unter der Rubrik „Nützlich“ zu lesen geben wird!
Liebe Grüße,
Lena
Liebe Train-Delay Blogger!
Zwar bin ich keine Pendlerin und muss somit "nur" ab und an das Münchner Ubahn-Fahren über mich ergehen lassen, trotzdem konnte ich mich gut in Eure Geschichten hinein versetzen und das ein oder andere Mal schmunzeln - vor allem was die Überfüllung und grenzwertigen
Gerüche angeht... ;)
Sehr originell finde ich auch, dass ihr auf den roten Faden beim Aufbau Eures Blogs geachtet habt - beispielsweise "Durchsage" statt einfach nur "Kolumne" oder "Wir bitten dies zu entschuldigen - thank you for travelling with Train-Delay!" hier bei der Kommentarfunktion sowie "Anschluss verpasst? Hier geht's weiter!" statt einfach nur "weiterlesen"!
Wie Leni schon vorgeschlagen hat, fände auch ich, dass Bilder Eure Geschichten noch um einiges lebendiger machen würden - ich bin gespannt auf Eure nächsten Storys,
liebe Grüße Kathi
Ich kenn diese Situationen. Und ich bin deiner Meinung: die kommen einfach viel zu häufig vor. Letztendlich hast du es eh richtig gemacht, und dich jemanden angeschlossen. Mir hat das auch schon ein- zwei Mal das "Leben gerettet". Macht weiter so, eure Posts sind immer super unterhaltsam und absolut nachvollziehbar :)
Vielen Dank für eure Kritik und euer tolles Lob!
Liebe Lena und liebe Kathi, das mit den Bildern haben wir leider etwas verplant, teilweise ist jedoch recht schwierig ein geeignetes Bild zu machen, da es häufig sehr schnell gehen muss oder die Personen nicht fotografiert werden wollen. Bei unseren nächsten Beiträgen versuchen wir uns aber zu bessern!
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