03.12.2013

Pardon Madame?


Neulich im Starbucks: Es ist 15:00 Uhr. Völlig gestresst lasse ich mich auf den letzten freien Stuhl fallen. Erleichtert doch noch einen Platz gefunden zu haben, ziehe ich meine Jacke aus und checke erst einmal meine neusten WhatsApp Nachrichten. Aber irgendwie habe ich die ganze Zeit über so ein komisches Gefühl…

Ich blicke von meinem Handy auf und sehe, dass mich der Herr am Nachbartisch anstarrt. Aber nicht auf eine freundliche und charmante Art, sondern so, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Er ist etwa Mitte 40, trägt eine schwarze Hornbrille, hat einen dunkelbraunen Lockenkopf und schaut sich Bilder von Mangas auf seinem Laptop an.

Höflich frage ich ihn, ob ich ihm denn helfen könne, da antwortet er: "Pardon Madame, darf ich Ihnen mal ein Kompliment machen? Wissen Sie, ich war gerade in Italien und habe mich dort sechs Wochen lang mit Frauen beschäftigt (was genau das bedeuten soll, will ich lieber gar nicht so genau wissen) und ich muss sagen, dass sich die Frauen heutzutage zu viel schminken. Sie kleistern sich oft so voll, dass man Angst haben muss, ihnen fällt irgendwann das Gesicht ab. Aber Sie sind eine von 100 Frauen, die auch natürlich nett aussehen. Da muss ich Sie gleich auf meine Liste setzten. Nur leider lenken Sie mich jetzt von meiner Arbeit ab und das lasse ich keiner Frau durchgehen."

Ehrlich gesagt ist es ziemlich schwer in diesem Moment nicht laut loszulachen, aber ich bedanke mich höflich und widme mich schnell wieder meinem Handy. Das ist mit Abstand das seltsamste Kompliment, dass mir je gemacht worden ist. Zum Glück fährt gerade mein Zug in den Bahnhof ein, sodass ich mich dezent vom Acker machen kann. So etwas passiert einem ja auch nicht alle Tage.

7 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Da kann ich Dich gut verstehen, dass Du nicht wusstest wie man sich verhalten soll. Super strange Leute, die einem da zum Teil im Zug begegnen!! :)

Katharina Maurus hat gesagt…

"Sie sind eine von 100 Frauen"... Eh Stop. Also der gute Herr mit seinen Löckchen hat wohl einen sehr interessanten Beruf? Vorallem frage ich mich, was es wohl mit den Mangas auf sich hat, wenn er von "der Arbeit" redet.
Nimm es als Kompliment liebe Christina, verstehen tut es wahrscheinlich keiner. Zu mir meinte einmal ein Passant, ich hätte unglaublich schöne Ohren. Da wusste ich auch nicht wirklich, was ich sagen sollte.

Liebe Grüße

Unknown hat gesagt…

Ich erinner mich an meine Zigarette vor der Arbeit und dem Schrecken, als ich in das Geischt eines Obdachlosen blicke, der allen ernstes sagt (natürlich mit einer unglaublichen Alkoholfahne): "Wissen Sie, ich sag ja zu jeder rauchenden Frau, die ich sehe: Im himmel dürfen Engel ja auch nicht rauchen."
So verwirrt wie danach war ich schon lange nicht mehr. Dein Gesicht danach kann ich mir also lebhaft vorstellen! Dinge gibts auf der Welt :-)

liebe Grüße
Anneke

Laura hat gesagt…

Eine wahre Geschichte?! Kaum zu glauben, dass einem tatsächlich so etwas passiert und nicht immer nur den Protagonisten in den Hollywoodfilmen. Euer Blog bietet die perfekte Plattform, um solche Geschichten zu erzählen. Das Leben abseits des Bahnhofs würde wahrscheinlich auch noch einige spannende Geschichten bereithalten. Wäre das nicht eine Überlegung wert, den Blog über die Bahnhofshallen hinaus zu erweitern?

Unknown hat gesagt…

Der Satz "Eine von 100 Frauen" ist mir auch gleich aufgefallen. Was macht dieser Herr denn beruflich, dass er solche Statistiken aufstellt? Wahrscheinlich ist es eher eine Art Hobby von ihm, Frauen nachzustellen. Sehr merkwürdig! Mich erinnert die Szene ja schon fast an "Shades of grey" mit der Anmerkung des Herren "...das lasse ich keiner Frau durchgehen". Man kann nur drüber munkeln, was in manchen Menschen vorgeht! Vielleicht lebt er in seiner eigenen Traumwelt.
Du hast aber noch höflich für so eine Ansage reagiert. Ich wüsste auch nicht, was ich in diesem Moment gesagt oder gemacht hätte!

Allgemein finde ich das Layout eures Blogs sehr gelungen. Besonders der Banner passt perfekt zu eurem Inhalt. Auch die Beiträge sind wirklich lustig und teilweise hilfreich, da auch ich öfter mit dem Zug in mein "zweites Zuhause" nach Nürnberg fahre.

Liebe Grüße
Janina

Anonym hat gesagt…

Das ist wirklich mal eine lustige Geschichte! Was für ein kurioser Mann, der dich erst von oben bis unten gemustert hat, nur um dir dann so ein plattes Kompliment zu machen. Ich denke, es liegt in der Natur mancher Menschen, dass sie ihre Meinung immer und überall kundtun müssen. Toller Beitrag!

Christina Grimm hat gesagt…

Also ich bin wirklich froh, dass ich den Beruf dieses speziellen Herren nicht kenne! Manche Dinge bleiben lieber im Verborgenen. :D