Es ist der 24.12.13. Es ist Weihnachten. Das Fest der Liebe. Gefeiert wird zusammen mit der Familie, mit Freunden, mit Bekannten. Aber auf keinen Fall alleine. Doch was ist nun wenn der Zug diesem Fest einen Strich durch die Rechnung macht?
10:00 Uhr München Innenstadt. Ich bin gerade noch dabei, wie sehr viele andere leider auch, die letzten Besorgungen vor dem Heiligen Abend zu erledigen. Die letzten Geschenke werden noch schnell besorgt. Man vergisst ja doch immer wieder den ein oder anderen. So schiebe ich mich also von einem Geschäft zum nächsten, von einer Kassenschlange zur anderen. Immer die Zeit im Blick, da die Geschäfte spätestens um 14:00 Uhr schließen.
Mit den Nerven am Ende, jedoch auch froh alles noch besorgt zu haben, stehe ich dann vier Stunden später am Münchner Hauptbahnhof, um auf den Zug zu warten, der mich wieder nach Augsburg bringt. Hier bietet sich mir das selbe Chaos wie in der Stadt. Überall Menschen, die sich hektisch aneinander vorbeidrängen. Einfach nur tief durchatmen, bald ist es geschafft, ist mein Motto. In diesem Moment nehme ich mir wie jedes Jahr wieder einmal vor, meine Weihnachtseinkäufe das nächste Jahr besser zu organisieren. Hoffentlich klappt es nächstes Jahr dann auch!
Am Bahngleis auf meinen Zug wartend beobachte ich die Hektik um mich herum, bis mir ein älteres Ehepaar auffällt. Die beiden warten geduldig am Nebengleis, laut Anzeigetafel, auf den Zug nach Berlin. Ich bewundere mit welcher Gelassenheit die beiden dort stehen. Sie lachen miteinander und halten sich im Arm, unbeirrt von den vorbeiströmenden Menschen. Ein wirklich süßes Paar! Die Freude ihnen zuzuschauen ließ die nächsten zehn Minuten wie im Flug vergehen, da sehe ich schon den einfahrenden Zug mit dem Ziel Berlin Hauptbahnhof. Als der Zug zum stehen kommt geht das Gedränge erst richtig los. Das ältere Ehepaar mitten drin. Ich bin froh dieses Schauspiel nur von der Ferne betrachten zu müssen.
Nach etwa fünf Minuten leert sich der Bahngleis langsam und alle Passagiere sind mittlerweile eingestiegen. Da sehe ich plötzlich wie der ältere Mann wieder aus dem Zug kommt. Der Schaffner hat bereits zur Abfahrt gepfiffen „Was macht er denn da?“ frage ich mich, als ich die Handtasche sehe die etwas entfernt von der Wagentür liegt. Gerade als ich mir denke, dass das jetzt ganz schön knapp wird, sehe ich wie der Zug die Türen schließt. Der ältere Mann draußen und seine Frau drinnen. Er versucht panisch die Türen noch zu öffnen, aber der Zug hat sich bereits in Bewegung gesetzt. Als ich gerade zu ihm gehen will um ihm irgendwie zu helfen, sehe ich wie der Regionalzug nach Augsburg einfährt und das Gedränge geht auf meinem Bahngleis los. Es gibt keine Chance dem Mann zu helfen und gleichzeitig noch meinen Zug zu erwischen. Mit einem schlechten Gewissen steige ich in meinen Zug, doch als ich dann von drinnen beobachte wie er mit einer Schaffnerin redet, bin ich etwas beruhigter.
Ich hoffe wirklich, die beiden haben es noch geschafft sich wiederzutreffen und den Weihnachtsabend gemeinsam zu verbringen!

3 Kommentare:
Oh Gott der arme Mann und seine Frau. Ich hoffe auch sehr das er es noch nach Berlin geschafft hat und das nicht alle Unterlagen in der Handtasche der Frau waren, dann wäre sie ja auch noch ohne Tickets, Ausweis und Geld unterwegs gewesen..
Liebe Kathrin,
Was man allein schon von den Flughäfen an Silvester gehört hat - man sollte wirklich NIE an solch wichtigen Tagen irgendwo hin fahren. lieber ein paar Tage zuvor. Sonst passiert so etwas und man ist traurig und enttäuscht. Schlimmer geht es ja wohl eigentlich nicht mehr was den beiden passiert ist. Und das noch an Weihnachten.
Das ist wirklich eine sehr traurige Geschichte und ich hoffe auch sehr dass sie noch gut ausgegangen ist! Du hast Recht Nina man sollte wirklich immer eher ein paar Tage früher vereisen wenn wichtige Feste anstehen, dass sowas nicht passiert.
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