22.11.2013

Durchsage: Tina, 24, erzählt ...

Vor Kurzem saß ich mit meiner Freundin in einem Café. Wir quatschten über Gott und die Welt und kamen auch auf das Thema Pendeln zu sprechen und somit auf meine interessanteste oder besser gesagt anstrengendste Zugfahrt, die ich je erlebt habe.

Tina fühlt sich als wäre sie "auf der Flucht"

Es ist der Tag vor einem verlängerten Wochenende. Auf der Bahnhofsanzeige läuft in Dauerschleife: „Einsteigen nur mit Reservierung möglich.“ Nach einer bestanden Prüfung will ich jedoch nur noch eines: Nach Hause, auch ohne Reservierung. Bepackt mit einem 20 kg Koffer, Rucksack, Reisetasche und Handtasche quetsche ich mich mit zahlreichen Leidensgenossen in den wiedermal verspäteten Zug. An ein Durchkommen ist kaum zu Denken. Wie die Sardinen in der Dose stehen die Reisenden in den Gängen und Abteilen. Ich kämpfe mich trotzdem irgendwie in den nächsten Wagon vor, in der Hoffnung vielleicht einen Sitzplatz zu ergattern. Vergeblich, denn der nächste Wagen ist ein hölzerner Transportwagon für Lebensmittel, Fahrräder und Co. Wider besseren Wissens (bei einer Vollbremsung könnte es hier ganz schön gefährlich werden) lasse ich mich dennoch auf den Holzblanken nieder, froh einfach nur sitzen zu können. 

Nach einiger Zeit kommt ein älteres Ehepaar um die 70 Jahre mit ihren zwei Enkelkindern an mir vorbei. Die Anstrengung und Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Sollen sie sich in diesen Wagon setzen? Die Kinder nehmen ihnen die Entscheidung ab. Sie stürmen in den Wagon und klettern auf den Kisten und Schachteln herum, die dort stehen. „Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen bzw. nicht mehr einzusteigen, die keine Reservierung haben“, tönt es alle 15 Minuten durch die Lautsprecher. Wie aufs Stichwort kommt ein Schaffner vorbei, blickt in den Wagon, setzt an etwas zu sagen und geht dann doch Kopfschüttelnd wieder weiter. Was für ein Glück, denke ich. Fast komme ich mir vor wie eine illegale Einwanderin, die sich im Frachtabteil eines Fliegers, Schiffes oder Zuges versteckt und nicht entdeckt werden will.

Die restliche Fahrt vergeht dann jedoch erstaunlich schnell, mit bangem Warten ob ich nicht doch noch aus dem Zug geworfen werde, dem Lauschen lautstarker Diskussionen anderer Fahrgäste und dem Beobachten meiner „Mitflüchtlinge“. 

2 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Ist es unglaublich was sich die Bahn immer erlaubt, da entstehen die tollsten Geschichten! Finde eure Blog-Idee echt super!

Unknown hat gesagt…

Öffentliche Verkehrsmittel sind oft Schauplätze von den skurrilsten Begebenheiten. Ich finde es super, dass ihr diese Situationen zum Thema macht! Ich fühle mit jedem einzelnen eurer Autoren mit - denn das Leben bleibt im Zug ja nicht stehen :) Auch die Optik eures Blogs gefällt mir richtig gut. Weiter so!